
Weltethos und Politik
![]()
Das Weltethos-Thema zielt auf einen Bewusstseinswandel weltpolitisch handelnder Akteure. Die Stiftung trägt dazu bei mit Publikationen, Konferenzen, Vorträgen und Bildungsveranstaltungen.
InterAction Council
Seit 1996 berät Hans Küng den InterAction Council ehemaliger Staats- und Regierungschefs (Ehrenvorsitzender Altbundeskanzler Helmut Schmidt). Mit ihm wurde in einem längeren Beratungsprozess im Jahr 1997 der Entwurf einer »Allgemeinen Erklärung der Menschenpflichten« erarbeitet.
-›› Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten • pdf
2007 fand in Zusammenarbeit mit der Stiftung Weltethos in Tübingen ein Expertentreffen des InterAction Councils über »Weltreligionen als Faktor der Weltpolitik« zur Vorbereitung der jährlichen Vollversammlung des IAC statt. Neben Helmut Schmidt, Hans Küng und internationalen Fachleuten aus dem interreligiösen Bereich waren die früheren Premierminister von Schweden (Ingvar Carlsson), Australien (Malcolm Fraser) und Jordanien (Abdelsalam Majali) anwesend.
Weltethos bei den Vereinten Nationen
Das Jahr 2001 markierte einen Höhepunkt in der Wirkungsgeschichte der Weltethos-Thematik: Auf höchster politischer Ebene findet sie Eingang in der Agenda der Vereinten Nationen, auf Initiative des damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan für ein neues Paradigma internationaler Politik.
Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 sind zahllose Menschen weltweit überzeugt: ein »Zusammenprall der Kulturen« muss vermieden werden, interkulturelle Verständigung ist ein Desiderat von höchster politischer Dringlichkeit.
Schon 1998 hat die UN-Vollversammlung das Jahr 2001 zum »UN-Jahr des Dialogs der Kulturen« erklärt – auf Vorschlag des iranischen Präsidenten Chatami.
-››
Zitat aus Chatamis Rede vom 21. 9. 1998 • pdf
-›› »Group of Eminent Persons« • pdf
UN-Generalsekretär Kofi Annan beruft eine »Group of Eminent Persons«, zu der auch Hans Küng gehört. Dazu Kofi Annan: »Der UN-Dialog der Kulturen repräsentiert ein neues Paradigma internationaler Beziehungen, nicht länger gegründet auf der Auffassung, dass Verschiedenheit eine Bedrohung ist, sondern auf der Erkenntnis, dass Verschiedenheit ein inhärenter Bestandteil ist von Wachstum und Verbesserung. … Wenn Kriege zuerst in den Köpfen der Menschen geboren werden, dann ist die Überzeugung, dass Verschiedenheit eine Bedrohung darstellt, der eigentliche Samen von Krieg.«
Es geht um die Grundlinien für ein neues Paradigma internationaler Beziehungen, geprägt von Verständigung und Dialog, auf der Basis gemeinsamer kulturübergreifender Werte – auf Basis eines Weltethos.
Am 8. und 9. November 2001 berät die 56. UN-Vollversammlung dieses Projekt und die Autoren des Berichts erhalten Gelegenheit, vor der Vollversammlung dazu Stellung zu nehmen, so auch Hans Küng mit einem programmatischen Statement. Der Bericht der Expertengruppe wird veröffentlicht unter dem Titel »Crossing the Divide. Dialogue among Civilizations«.
-›› Hans Küngs programmatisches Statement • pdf
Am 9. November 2001 verabschiedet die Vollversammlung eine Resolution mit einer »Globalen Agenda für den Dialog der Kulturen«.
-›› Resolution der Vollversammlung • pdf
Darin werden in neun Artikeln Ziele, Prinzipien und Teilnehmer dieses Dialogs ausführlich beschrieben. Im zweiten Teil wird eine Globale Agenda und ein umfassender Aktionsplan beschlossen.
Zum Abschluss des UN-Jahres des Dialogs der Kulturen wurde im UN-Hauptquartier in New York die Ausstellung »Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos« gezeigt.
Mit der UN-Resolution vom November 2001 und dem Bericht »Brücken in die Zukunft« ist der Durchbruch der Weltethos-Thematik auf internationaler politischer Ebene gelungen.
-›› siehe Weltethos-Literatur
Politik-Symposion in Tübingen 2002
Das interdisziplinäre Symposion »Ein neues Paradigma internationaler Beziehungen? Ethische Herausforderungen für die Gestaltung der Weltpolitik« diskutierte die Bedeutung der Weltethos-Thematik für Politikwissenschaft, Philosophie und Sozialwissenschaften.
Die Beiträge wurden veröffentlicht in »Friedenspolitik. Ethische Grundlagen internationaler Beziehungen«.
-›› siehe Weltethos-Literatur
Weltethos-Reden
Seit dem Jahr 2000 organisiert die Stiftung Weltethos gemeinsam mit der Universität Tübingen die Weltethos-Reden in Tübingen. In den Reden nehmen herausragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus unterschiedlichen Blickwinkeln zur Weltethos-Thematik Stellung.
Die bisherigen Weltethos-Reden:
-›› 2000: Tony Blair, Englischer Premierminister,
»Werte und die Kraft der Gemeinschaft«
-›› 2002: Mary Robinson, UN-Hochkommissarin für Menschenrechte,
»Ethik, Menschenrechte und Globalisierung«
-›› 2003: Kofi Annan, UN-Generalsekretär,
»Gibt es noch universelle Werte?«
-›› 2004: Horst Köhler, Deutscher Bundespräsident,
»Was gehen uns andere an?«
-›› 2005: Shirin Ebadi, Friedensnobelpreisträgerin,
»Der Beitrag des Islam zu einem Weltethos«
-›› 2006: Jacques Rogge, IOC-Präsident,
»Weltsport und Weltethos«
-›› 2007: Helmut Schmidt, Altbundeskanzler,
»Zum Ethos des Politikers«
-›› 2009: Desmond Tutu, Alterzbischof und Friedensnobelpreisträger,
»Weltethos und Menschenwürde: Eine afrikanische Perspektive«
![]()
